Presseecho 2012

SZ vom 8. August 2012

Der ewige Elbeschwimmer

    Mittwoch, 8. August 2012
(Sächsische Zeitung)
BLASEWITZ/JOHANNSTADT   Von Tobias Wolf
Wasser ist sein Element: Wenn Dietmar Hörnig in die Elbe springt ist nicht nur einfach Baden angesagt. Denn der 67-Jährige ist einer der Mitbegründer des Dresdner Elbeschwimmens. Am Sonntag ab zehn hat er wieder seinen großen Auftritt. Foto: Katja Frohberg

Dietmar Hörnig macht seinem Namen alle Ehre und badet seit 14 Jahren mit Hörnern.
Dietmar Hörnig schaut prüfend auf die Elbe, bevor er mit schnellen Schritten ins Wasser läuft. Die Strömung scheint in Ordnung, nicht zu schnell und nicht zu langsam. Ideal, um noch schnell eine kleine Trainingsrunde zu schwimmen. Denn am Sonntag wird es für den 67-Jährigen ernst. Dann startet er nahe dem Blauen Wunder mit Hunderten anderen Freizeitsportlern zum 15. Elbeschwimmen. Die Distanz: etwas mehr als drei Kilometer flussabwärts. Das Ziel: der Badesteg am Johannstädter Fährgarten. "Seit der ersten Veranstaltung schwimme ich hier mit, weil es unglaublich viel Spaß macht", sagt Hörnig, der einen zum Namen passenden Kopfschmuck trägt. "Dabei war es nur eine verrückte Idee." Es ist das Frühjahr 1998. Mit seinem Kollegen und Laufpartner Dietrich Ewers rennt der Ortsamtsmitarbeiter mehrmals pro Woche vom Johannstädter Thomas-Müntzer-Platz in die Dresdner Heide. Doch irgendwann sei Ewers "faul" geworden, wie Hörnig sagt. Statt auf dem Heimweg wieder über die Albertbrücke zu laufen, habe Ewers es vorgezogen, von der Saloppe aus durch die Elbe zu schwimmen.
Schüler testen Elbewasser
"Später kamen wir auf den Gedanken, daraus etwas Größeres zu machen", erinnert sich Hörnig. "Ich bin dann extra ins Gymnasium nach Cotta gefahren, weil die damals im Chemieunterricht gerade die Wasserqualität der Elbe untersuchten." Und die Gymnasiasten der zwölften Klasse hatten gute Nachrichten für die beiden sportbegeisterten Herren. Denn die Elbe war längst sauberer als noch wenige Jahre zuvor. Hatten bis Anfang der 1990er-Jahre noch die Zelluloseabwässer der großen Industrieanlagen in Heidenau und Pirna sowie der Schmutz aus Tschechien das Wässerchen getrübt, konnte man nun unbedenklich schwimmen gehen. Für Hörnig kein Problem, denn der zweifache Vater war in seiner Jugend Rettungsschwimmer im Ferienlager des VEB Robotron, sorgte dafür, dass keines der Kinder beim Badeausflug unterging.
"Eine Woche vor dem Stadtfest sollte es dann losgehen und eigentlich etwas Einmaliges werden", sagt Hörnig. Ganz geheuer war die Sache mit dem Bad in den noch braunen Elbefluten den wenigsten. Zu frisch war die Erinnerung an einen der schmutzigsten Flüsse Europas. Dennoch kamen gleich beim ersten Mal rund 70 Wagemutige aller Altersklassen, von der braun gebrannten Dame im Bikini über den Profi im Neoprenanzug bis zur 85-jährigen Oma mit ihrem Enkel. Offenbar hatten die am Ziel versprochenen Leckereien genug Motivationskraft entfaltet. Der Johannstädter Fährgartenwirt hatte jedem der Teilnehmer eine kostenlose Bratwurst und Freibier zugesagt - ein Versprechen, das bis heute Bestand hat. Auf den Sonntag freut sich Dietmar Hörnig aber nicht nur wegen der Bratwurst.
300 Meter Kraftanstrengung
"Man kann sich in der Elbe wunderbar treiben lassen, muss sich im Prinzip nur über Wasser halten", sagt der Freizeitsportler. "Mit fünf bis sechs Kilometern pro Stunde schafft man die Distanz so in knapp 35 Minuten." Nur am Zieleinlauf ist Kraft gefragt. Denn um punktgenau am Biergarten zu landen, müssen die Schwimmer schon 300 Meter zuvor das Ufer ansteuern - andernfalls steigen sie erst kurz vor der Albertbrücke aus dem Wasser. Für Dietmar Hörnig zählt nur der Spaß dabei. "So ein Erlebnis in der Gruppe ist einfach toll", schwärmt er. "Ich mach das weiter, solange ich mich im Wasser halten kann."
Start ist am Sonntag um 10 Uhr an den Elbwiesen in Höhe der Regerstraße. Taschen mit Wechselkleidung und Handtüchern werden durch die Organisatoren zum Johannstädter Fährgarten transportiert.

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